Interview mit Drummer & Schlagzeuglehrer Thomas Zimmermann

Percussion Creativ-Reihe „Teacher im Focus“ von Andy Gillmann - Interview mit dem Drummer, Schlagzeuglehrer und Schulleiter
Thomas Zimmermann (veröffentlicht im Percussion-Creativ Off Beat 02/17)

Hattest du nach deiner Ausbildung so eine Art Masterplan, eine Vision, wo es für dich hingehen soll, als Drummer, als Lehrer, als Schulgründer?

Ach, einen echten Masterplan hatte ich eigentlich nicht. Ich wollte Gigs spielen und unterrichten. Schon während des Studiums habe ich in mehreren Bands und im Theater gespielt, mir einen Schülerstamm aufbauen können und so ging das alles sehr fließend ineinander über. Dass die Gewichtung irgendwann etwas mehr in Richtung Unterricht ging, lag einfach daran, dass der Wunsch da war, mehr Zeit und Sicherheit für meine Familie zu haben und nicht nur Autobahnkilometer von Gig zu Gig zu sammeln - ich war echt viel unterwegs. Unterrichten war eh schon immer mein Ding…  Die Vision einer Schule hatte ich damals zwar schon, aber das war mehr ein Traumgedanke… aber wie sagt schon Dom Famularo: „Be careful with your dreams, because they can come true“.

Lehrerfortbildung +pro-Drum 
Gerade die Schulleiter privater Schulen sind ja wahre Multitalente, da reicht es nicht nur zu unterrichten. Wie hoch ist dein „Schreibtischanteil“ als Schulleiter? Und wieviel Zeit bleibt dir neben der Leitung und dem Unterrichten für Bands und Live spielen?

Erst kürzlich kam der Punkt, an dem ich merkte, dass die Administrative so ohne weiteres alleine nicht mehr zu schaffen ist und ich deshalb eine Büro-Mitarbeiterin angestellt habe. Das ist noch etwas ungewohnt, da ich doch lange Zeit alles alleine gemanagt habe, verschafft mir aber einfach mehr Zeit für andere, ebenfalls wichtige Dinge. Dennoch geht immer noch sehr viel Zeit am Schreibtisch drauf, da es mir - nur als Beispiel - unheimlich wichtig ist, dass die Interessenten, Schüler oder Eltern bei Fragen zum Unterricht usw. mit mir persönlich sprechen oder mailen.  

Da wir ein Team aus sieben Schlagzeuglehrern sind, eröffnet das aber auch neue Möglichkeiten und bringt auch seine Vorzüge mit sich. So kann ich auch mal eine Mini-Tour annehmen und lasse mich in dieser Zeit von meinen Kollegen vertreten, falls notwendig. Das ist ein kleiner Luxus, den ich mir dann einfach gönne. Gigs zu spielen gehört für mich einfach dazu, wenngleich ich schon genauer schaue was das für Projekte sind. Das Niveau muss stimmen, die Musik interessant sein und Spaß machen. Im Zweifelsfall hat die Schule Priorität. 

Generell versuche ich auch in bestimmten Abständen auf ein besonderes Ziel, eine Art Highlight, wenn du so willst, hinzuarbeiten. Das kann dann eine CD- oder Buch-Produktion, oder eben ein besonderes musikalisches Projekt sein. Das hat in der Vergangenheit eigentlich immer recht zuverlässig funktioniert, hält frisch im Kopf und sorgt für Abwechslung. 

Aber um auf deine Frage zurück zu kommen: Die Zeit ist schon immer sehr knapp bemessen, aber ich nehme sie mir dann einfach, auch wenn dann vielleicht mal die kompletten Ferien dafür drauf gehen um solche Projekte vorzubereiten oder umzusetzen. 

Als ich vor zwei Jahren eine Clinic in deiner Schule gespielt habe, da kamen so schätzungsweise  70-80 Leute unterschiedlichsten Alters und ich war wirklich baff. Wie erreicht man ein so großes Interesse?

Natürlich durch die richtige Auswahl von Top-Clinic-Dozenten, wie z.B. Andy Gillmann ;-) … Klar, das natürlich auch, aber ich denke vor allem auch durch aufrichtige Begeisterung an der Sache. Wenn Du, oder andere Dozenten zu uns kommen, dann ist das auch für mich persönlich einfach eine super Sache, etwas Außergewöhnliches. Ich denke bei vielen Schülern springt dieser Begeisterungs-Funke dann einfach über und wiederum andere brauchen vielleicht einen sanften Schubser. Ein „mal sehen…“ akzeptiere ich jedenfalls nicht ohne weiteres! Denn, schau dir an wie lange solche Veranstaltungen selbst bei unseren Jüngsten Drummern nachwirken, da lohnt sich die Überzeugungsarbeit immer wieder auf´s neue. 

Meine These: Der persönliche Kontakt mit einem Lehrer ist durch nichts zu ersetzen. Und das Live-Erlebnis eines Konzertes oder eines Workshops wird immer nachhaltiger sein als jedes YouTube Video oder Online Tutorial… Was meinst du?

Ich bin zu viel Drum-Nerd, als dass ich die Online-Angebote, YouTube oder DVD´s grundsätzlich nicht gut finden könnte, aber: 

„Niemand kann dir das Schlagzeug spielen so beibringen wie ein richtiger Lehrer, ein Mensch der dich begleitet…!“ Und das ist nicht von mir, sondern eine Zitat vom Lenny Kravitz-Drummer Franklin Vanderbilt.

Bei gutem Unterricht spielt man sich ja auch gegenseitig die Bälle zu und hält so das „Spiel“ in Gang. Dann wird auch mal über Dinge philosophiert und diskutiert, die nicht in den Noten stehen. Schwächen erkennen, stärken ausbauen, Skills schaffen, die den Schüler dahin gehend sensibilisieren, sich selbst gegenüber ein kritischer Lehrer bzw. Beobachter und Zuhörer zu werden… Das alles sind Inhalte, die sich per Video so einfach nicht transportieren lassen, weil sie Interaktion erfordern und guten, persönlichen Unterricht ausmachen, wie ich finde. 

Wir müssen halt aufpassen, nicht zu digitalen Messi´s zu werden! Alles parat, in Unmengen an Gigabyte auf Festplatte, aber dennoch nie ernsthaft verinnerlicht bzw. geübt… und genau da sehe ich eine große Gefahr. Schnell clickt man sich von Groove zu Groove, von Thema zu Thema und vergisst dabei dies alles auch zu „machen“. Vom Video schauen allein ist noch keiner besser geworden. Nicht, dass die Qualität der Online-Angebote nicht stimmt, es ist eher die Quantität - mit der Masse an Information können sehr viele nicht umgehen - und das ist keine Vermutung, sondern meine Erfahrung aus der Praxis. Da musst du als Lehrer dann regulierend eingreifen. 

Für mich persönlich hat es auch seinen ganz eigenen Reiz, z.B. einem bestimmen Style, Groove, Fill… was auch immer, auf die Schliche zu kommen, also so eine Art Groove-Forschung zu betreiben. CD´s zusammentragen, Musik hören, Transkribieren, Entwicklung und Geschichte checken, den Bandsound unter die Lupe nehmen… Natürlich könnte ich mir auch einfach ein Video-Tutorial anschauen und das Ganze vielleicht in ein paar Minuten abfrühstücken, klar, aber da fehlt mir meist ein musikalischer Bezug. Ich finde den anderen Weg spannender und das nicht weil ich so oldfashioned bin, sondern einfach weil ich einen Heidenspaß daran habe so zu arbeiten und weil es am Ende eben mein eigenes Material ist was ich in Händen halte.

Dennoch ist es natürlich auch klasse, sich Drummer und Bands per YouTube oder DVD usw. ins Wohnzimmer zu holen, denen ich vielleicht in diesem Leben nie begegnen werde, logisch! 

Welche Türen öffnet euch die Tatsache, dass der Unterricht bei „pro-Drum“ als berufsbildende Maßnahme vom Land Baden-Württemberg anerkannt wurde?

Mit diesem Status können wir z.B. Schülern bzw. Familien, die auf Fördergelder angewiesen sind, von Amts wegen bestätigen, dass sie anerkannten Musikunterricht besuchen. Weiterhin dürfen wir offiziell auf eine Prüfung vor einer Person des öffentlichen Rechts vorbereiten wie für die Studienvorbereitung- u. Begleitung. Sind also als Vorbereitungsschule anerkannt und somit von der Umsatzsteuer befreit. Da wir ja ohne städtische und staatliche Subventionen arbeiten, ist dies ist auch eine wichtige Schraube an der wir drehen können um die Unterrichtsgebühren erschwinglich zu halten. Und dies wiederum ist eine Sache, die ich als ungeheuer erachte. Instrumentalunterricht darf auf gar keinen Fall eine rein elitäre Angelegenheit werden und muss für jeden zugänglich und finanzierbar sein.

Wann hast du „Bekanntschaft“ gemacht mit Percussion Creativ und warum bist du Mitglied?

Oh… ich habe keine Ahnung mehr wieviele Jahre ich schon Mitglied beim PC bin, ich glaube Ende der 90er muss das gewesen sein. Als Drumfreak hat man die Antennen ja immer auf Empfang und da stößt man dann unweigerlich auch auf PC. Ich war früher immer wieder mal auf den Teachertagen, was ich in letzter Zeit wegen anderer Termine etwas zurückfahren habe, sollte aber mal wieder. Für den „PC Off-Beat“ war ich auch lange Zeit aktiv tätig und habe Buch- u. DVD-Rezensionen verfasst. Ich hab da Spaß dran, wenn ich mich einbringen kann. Schlagzeuger gehören meines Erachtens mit zu den best vernetzten Musikern überhaupt und PC leistet hierzu einen sehr großen, wenn nicht sogar „den“ entscheidenden Beitrag. Wir Trommler müssen zusammen halten…

„Pro-Drum“ ist ja mittlerweile ein echtes Pfund in der Region Rhein-Neckar. Gibt es Pläne, Ziele, Visionen für die Zukunft?

Oja, auf jeden Fall - Pounds of Groove! … Wir werden unser im letzen Jahr ins Leben gerufene Konzept der One-Day-Intensiv-Seminare und Drum-Camps an beiden pro-Drum-Standorten ausbauen. Ein ganz wichtiger Punkt ist mir hier die aktive Teilnahme, was sich mit den DW-Practice-Kits toll umsetzen lässt. Klasse Nebeneffekt auch, die Dynamik die nicht nur zwischen Teilnehmer und Dozent entsteht, sondern auch unter den Teilnehmern, wenn man so ein Tag oder Wochenende zusammen verbringt. Mit Ralf Gustke, Daniel Schild, Jan Pfennig und Moritz Müller war es ein toller Start in eine in meinen Augen ganz besondere Form des Gruppenunterrichts. Die Nachfrage mit Teilnehmern aus ganz Deutschland hat mich echt geflasht und darin bestätigt, das Konzept weiter zu verfolgen. 

Derzeit sprechen wir mit den ODIS und DC hauptsächlich fortgeschrittene Drummer, Profis, Semi-Profis und Studenten an, weshalb ich die Kurse nun auch noch in Richtung pädagogische Inhalte für Schlagzeuglehrer/Quereinsteiger und für den jungen Drum-Nachwuchs ausbauen möchte. 

Als Mitglied der Kultur- und Kreativwirtschaft Heidelberg haben wir uns ja auch den Bereich „Musikliteratur“ und die „Entwicklung und Erforschung von zukunftsorientierten Lehrkonzepten“ auf die Fahne geschrieben, sprich es werden in der Zukunft z.B. noch weitere Bücher und Lehrmaterialen aus dem Hause pro-Drum erscheinen. Auch eine Zusammenarbeit mit anderen Instituten als Partnerschulen ist in der Schwebe - die Gespräche laufen… Ideenmangel herrscht im Moment nicht, es wird also nicht langweilig, bleibt spannend, und das ist gut so! 




Thomas Zimmermann
Gründer der pro-Drum Schlagzeugschule mit Standorten in Heidelberg u. Bad Rappenau b. Heilbronn
Musikstudium in München, Dinkelsbühl und Würzburg.
Dozententätigkeit b. Landesmusikverband Baden-Württemberg, Carl-Off-Schule, SNH und VdM-Schulen. 
Musikalische Arbeit in Jazz-Rock-Pop und Jazz/Klassik-Crossover, mit Bobby Shew, Marla Glen, Beija Flor, Fritz Münzer, Anke Helfrich, Ack van Rooijen, Peter Fulda, Jochen Brauer, Parnass Libre, Jazzoo. Theater/Musicals u.v.m. 
Preise:
Oberkochener Jazzförderpreis
Int. Jazzfestival Krakow „Best Drummer Award“
Jazzpreis Bad Pyrmont
Jazzpreis Unterland
Endorser für Mapex, Instanbul Mehmet, Vater-Sticks, Ahead Armor, Skygel, Cympad.
Diskographie-Auswahl: Beija Flor „Nice Things To Do“, JAZZOO „Aufruhr im Gehege“, Fritz Münzer Quintett „Clouds“, The New Quintett „No Compliments Please“. 
Drum-Books: Schlagzeug lernen, Grooves&Fills, Drummer´s Realbook. 

Literatur: Drumset-Basic Course - Lehrwerk für Drum Einsteiger

Website: www.pro-drum.de
www.schlagzeugunterricht-heidelberg.de 
www.schlagzeugunterricht-heilbronn.de
www.schlagzeugunterricht.com 
www.school-of-music.de 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen