DOTM Feature #14 | Stefan Günther - Gothic und Jazz? ... läuft!


Man könnte mal wieder auf die Session nach Karlsruhe... und was stellen wir fest... das Session-Team hat gewechselt. Torsten Steudinger am Bass - ein altbekannter Kollege - und ein Drummer den wir bisher noch nicht kannten: Stefan Günther. Die beiden leiten dort noch gar nicht allzu lage die monatliche Jam-Session im Club. Da lassen wir uns von DOTM doch nicht die Möglichkeit nehmen den netten Drummer aus Karlsruhe etwas näher kennenzulernen... 

Stefan Günther, einer der sich nicht als Jazzpurist sieht, sondern dem es einen Riesenspaß bereitet zwischen musikalische Welten zu wandeln... heute ´ne Jazz-Session zu spielen, aber schon am nächsten Tag mit seiner Gothic-Band ASP auf großen Festivals die Massen zu bewegen.

Ob man da wirklich "einfach so umschalten" kann und was der Drummer, der seine musikalische Ausbildung in  Arnheim und Mainz erhalten hat sonst noch so zu erzählen hat, erfahrt ihr in diesem Interview. Viel Spaß!



Name: Stefan Günther
Jahrgang: 1979
Lebt in: Karlsruhe
Aus: Ettlingen
Freizeit: Reisen, Lesen
Favorite Food: Pizza
Favorite Movie: Zurück in die Zukunft
Erste CD: Sting „The Soulcages“
Drei favorite Drum-Books: Sycopation von Ted Reed, Stick Control von George Lawrence Stone, 4-Way Coordination von Marvin Dahlgreen und Elliot Fine
Drei favorite Alben: Ganz spontan fallen mir folgende ein: „2 Drink Minimum“ von Wayne Krantz, „Regatta De Blanc“ von The Police und „Angel Dust“ von Faith No More
Dein Hörtipp: Die Live-CD Saudades von „Trio Beyond“ (bestehend aus John Scofield, Larry Goldings und Jack DeJohnette) 
Drei favorite-Drummer: Eric Harland, Keith Carlock, Tony Williams
Ein „Special-Groove“ der dich beeindruckt: Die Interpretation des Jazz-Standards „Like Someone in Love“ des Pianisten Thomas Rückert hat so einen „Special-Groove“. Der Song ist zu hören auf seiner Trio Platte namens „Debut“. Sein Bruder Jochen Rückert trommelt auf diesem Song vituos, geschmackvoll und unglaublich jazzig. Er ist sowieso auch ein atemberaubend guter Drummer.
Erstes Drumkit: Micky Mouse Kinder Drum Set
Grip: Matched Grip
Dein Motto: Carpe Diem


Zum Interview verlosen wir 3 CD´s mit Stefan Günther on Drums. Schickt uns eine E-Mail mit dem Betreff "SG" an info@drummerofthemonth.com (Adresse nicht vergessen).





Seit wann spielst Du Schlagzeug und wie ging es los mit der "Trommelei? Ich habe im Musikverein meines kleinen Heimatdorfes Ettlingenweier mit dem Trommeln begonnen. Genau so, wie man sich das vorstellt, hauptsächlich mit Polkas und Märschen. Wir haben dort aber auch modernere Sachen wie „West Side Story“ oder „Phantom der Oper“ gespielt, womit ich damals großen Spaß hatte.

So mit 10 Jahren ging ich dann in die Musikschule Ettlingen, habe dort in verschiedenen Musikschul-Combos getrommelt und dadurch Kontakte zu Musikern und Musiklehrern geknüpft, mit denen ich zum Teil auch heute noch Musik mache. Mit 17 bin ich regelmäßig ans Drum Department nach Stuttgart, um Unterricht bei Daniel Messina zu nehmen. Nach dem Abitur und Zivildienst habe ich dann ab 1999 in Mainz bei Janusz Stefanski und in Arnheim/NL bei Rene Creemers und Joop van Erven Schlagzeug studiert.

Welche Musik hat Dich in der Anfangszeit begleitet? Groß geworden bin ich mit Pop und Rockmusik der 80er und 90er. Als Teenager bin auf ganz verschiedene Sachen abgefahren. Ich habe mir u.a. die Red Hot Chili Peppers, Dire Straits, John Scofield, Miles Davis, Led Zeppelin, Rage Against The Machine usw. reingezogen. Und natürlich The Police. Ich bin ein großer Police Fan und freue mich jetzt schon auf das Sting Konzert in Juli diesen Jahres in Mainz. An den Drums kein Geringerer als Vinnie Colaiuta! Die ersten drei Police Platten habe ich so oft gehört, dass ich sie auswendig kenne. Die Musik darauf ist ziemlich punkig mit vielen Reggae Einflüssen. Für mich kam danach ein Bruch der Band hin zu mehr poporientierter Musik. Auch geil, aber nicht mehr ganz so wild und frech. 

... und was hörst Du zur Zeit? Momentan höre sehr gerne Chris Potters Underground Band. An den Drums Nathan East, den man auch von dem Dave Holland Quintett kennt. Eine wahnsinnig gute Band. Sehr modern, jazzig und vor allem sehr groovig! Außerdem höre ich gerade gerne Bon Iver und Biffy Clyro. Ganz speziell ist die spanische Band Ojos De Brujo, die verschiedenste Stile miteinander kombiniert. Eine super Band! 

Du hast in Holland aber auch in Mainz studiert, bist Du zufrieden mit dem „Verlauf“ Deiner Ausbildung?  Ich bin mit meinem Werdegang rundum zufrieden. Sowohl in Mainz als auch in Holland habe ich sehr viel gelernt und viele interessante Kontakte knüpfen können. Diese Kontakte zu anderen Musikern waren für mich extrem inspirierend. Bei einem Musikstudium lernt man automatisch sehr viele Gleichgesinnte kennen und ist schon alleine dadurch Teil eines bereichernden Musikernetzwerkes. 
Seit ich vom Musikmachen lebe, also seit 2002, kommen jährlich neue und spannende Projekte hinzu, was für mich ein großes Geschenk ist. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass ich bisher eine tolle Zeit als Musiker hatte und dass ich nichts missen möchte.

Gibt es Drummer die Dich ganz besonders beeinflusst haben? Klar, da gibt es eine ganze Menge. Mir fällt gerade Zach Danziger ein, der früher viel mit dem Gitarristen Wayne Krantz gearbeitet hat. Seine Stickings zwischen Ride, Hihat und Snare haben mich total fasziniert. Dennis Chambers ist natürlich die Groove Maschine schlechthin. Ihn habe ich auch schon öfter live bewundern können. Dann hat mich auch Rene Creemers sehr beeinflusst. Ich hatte ja das Glück, bei ihm einige Zeit zu studieren. Er ist enorm kreativ und hat einen unglaublich guten Sound.  Immer wieder inspirierend finde ich auch Tommy Baldu, der auch aus der Nähe von Karlsruhe kommt.

Live-Gigs, Unterricht, Studio... wie hältst Du es da mit dem Üben? Klar übe ich nach wie vor! Durch die vielen musikalischen Projekte, in die ich involviert bin, ist es nicht mehr so einfach wie früher, kontinuierlich an bestimmten Dingen zu arbeiten. Zum einen bin ich oft unterwegs – dann kann ich gar nicht üben - und zum anderen stehen oft auch kurzfristige Termine an, auf die ich mich gezielt vorbereiten muss.

Ist es schwierig „umzuschalten“ - an einem Tag Clubgig am nächsten Tag Festival? Ich liebe es, mich schnell in verschiedene Gigsituationen einzudenken und verschiedenste musikalische Acts zu spielen. Lustig war ein Wochenende im letzten Jahr: Freitags war ich mit ASP auf dem Deichbrand Festival in Cuxhaven, samstags habe ich einen ganz kleinen Jazzgig in Karlsruhe gespielt. Dieser Gig war im Freien, es hat geregnet und die Zeltüberdachung der Bühne war so knapp bemessen, dass wir alle Mühe hatten, die Steckdosen frei von Regenwasser zu halten. Am Sonntag Abend hatte ich dann schließlich noch einen Auftritt als Percussionist bei dem Festival „Das Fest“ in Karlsruhe auf der Hauptbühne vor 40 000 Leuten... Das war ein sehr kurioses Wochenende!

Was machst Du zurzeit musikalisch? Meine Hauptband ist auf jeden Fall ASP, bei der ich seit 2012 die Trommelsticks schwinge. Die Band kommt aus der Gothic Szene, hat sich aber auch darüber hinaus einen beachtlichen Namen und eine enorme Fangemeinde erspielt. Ich bin dort relativ kurzfristig dazugestoßen und habe gleich auf einer ganzen Reihe großer Festivals, z.B. auf dem Deichbrand- und dem Summerbreeze-Festival gespielt. Daran schloss sich dann im Herbst 2012 eine Tour durch Deutschland an. Dieses Jahr im Sommer spielen wir nur wenige Festivals; unter anderem auf dem Wacken Open Air, worauf ich mich wahnsinnig freue. Momentan nehmen wir die neue CD von ASP auf, welche im August diesen Jahres erscheinen wird. Die Drums werden in den Principal Studios bei Münster aufgenommen und ich kann jetzt schon sagen: Die CD wird Hammer! Es folgt im September und Oktober dann noch eine ausgedehnte Tour quer durch Deutschland. Kommt vorbei, es lohnt sich!

Eine weitere Band, die mir wahnsinnig wichtig ist, ist mein Modern Jazz Quartett mit dem Namen SNEM. Wir spielen ausschließlich eigene Stücke, welche ordentlich groovig aber auch mal ganz schön frickelig sein können ohne dabei zu kopflastig zu werden. Wir spielen ohne Bass, diesen Part übernimmt unser Tastenmann Ralf Bereswill am Nord Stage Piano mit seiner linken Hand. Dadurch erhält die Band einen ganz eigenständigen Sound. Im März diesen Jahres kam unsere erste CD auf den Markt. Ich bin sehr stolz auf die CD und auch die Kritiken zur CD fallen extrem gut aus. Bei Interesse, einfach eine Mail an mich! Live spielen wir leider nicht ganz so viel, da es einfach sehr schwer ist, mit dieser Musik Gigs an Land zu ziehen. 

Ansonsten spiele ich bei einigen weiteren Projekten,  z.B. bei Artisfact, bei dem auch der Lichtkünstler Haegar dabei ist oder bei dem Christian Steuber Quartett. Außerdem spiele ich oft als Sub u.a. bei ABBA MANIA bzw. ABBA GOLD und bei der Matthias Hautsch Band.

Was mir auch sehr viel Freude bereitet, ist die monatlich stattfindende Jam-Session im Jazzclub Karlsruhe, die ich zusammen mit dem Bassisten Torsten Steudinger leite.

Dein bisheriges Drum-Highlight? Highlights waren auf jeden Fall im Jahr 2012 die Festivalgigs und die Deutschlandtour mit ASP. Gerne denke ich auch an die Deutschlandtour mit Hubert Kah, Peter Schilling, Markus und Frl. Menke zurück, die ich zusammen mit der Band Knutschfleck bestreiten durfte.

Wie hältst Du es mit Deiner Frisur ;-) ? Meine Frisur braucht einfach intensive Pflege: Also mindestens drei mal  pro Woche zum Frisör zum Richten der Dauerwelle. Auf Tour habe ich dann meinen eigenen Hairstylisten dabei. Das ist dann aber auch schon alles!:-)

Dein Equipment? Ich bin Endorser für Meinl Cymbals, Meinl Percussion, Tama Drums. Evans Drumheads und ProMark Sticks, womit ich perfekt bedient bin. Die Becken von Meinl klingen wirklich fantastisch. Das gleiche gilt genauso für mein Tama Bubinga Set.

Drums: Ich habe von meinem Tama Bubinga Set einen großen Fundus an Trommeln, aus denen ich immer das passende auswählen kann. Meistens spiele ich mit einer Bassdrum, Snaredrum und dann mit einem bis zu drei Toms, je nachdem, was gerade musikalisch erforderlich ist. Ich kann aus drei Bassdrums (18“, 20“, 22“) und 5 Toms (8“, 10“, 12“, 14“, 16“) und vielen Snares wählen. Dazu noch hier und da ein paar Perkussionsinstrumnte wie Woodblocks oder Cowbells.

Wie stimmst Du Dein Set? Das kommt auf die Band an mit der ich gerade unterwegs bin. Bei SNEM und allgemein bei jazzigen Bands stimme ich die Drums sehr hoch. Das Set klingt dann sehr offen und passt hervorragend zu meiner 18“ Bassdrum, die ebenfalls sehr offen gestimmt ist und ohne Dämpfung auskommt. Bei ASP stimme ich die Toms relativ tief, was zu dieser Musik einfach super passt. Da ist dann natürlich die 22“ Bassdrum dabei. Es gibt absolut kein Patentrezept was das Tuning des Drumsets angeht. Was gefällt, ist gut...

Sticks: Bei lauten Bands spiele ich immer die ProMark Sticks 5B im Nature Finish, wenn es etwas leiser sein soll, dann das 5A-Model, ebenfalls im Nature Finish. Die Sticks fühlen sich unlackiert für mich einfach super in den Händen an.

Cymbals: Durch mein Meinl Endorsement habe ich das Glück, immer mal wieder direkt zu Meinl nach Gutenstetten fahren zu dürfen. Dort kann ich dann direkt vor Ort aus einer riesigen Auswahl an Becken genau das wählen, was ich suche.

Felle:  Seit Jahren spiele ich auf Snare, Toms und der 18“ Bassdrum die Evans G2 coated Felle. Für mich sind sie perfekt: Sie sind doppelschichtig und dadurch sehr robust und haltbar. Klingen aber sehr offen und rund. Auf meinen anderen Bassdrums setzte ich das Genera EQ4 Fell in der „clear“-Version ein. Das Fell ist mit einem kleinen Kissen nur wenig gedämpft. Dadurch klingt sie nicht „tot“ sondern schön voluminös und bassig.




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