DOTM Feature #12 | David Flögel - ... Gavin findet´s cool.

Was passiert eigentlich wenn junge Drummer mit..., sagen wir mal 14 Jahren, bereits "Porcupine Tree" hören. Es dazu nicht nur beim reinen hören belassen sondern auch anfangen diesen teils wirklich "Heavy Stuff" nachzuspielen? 

Nun, im Fall von David Flögel hat das zum einen - zumindest temporär - zufolge, dass das aufgeräumte und ästhetische Set-Up von Gavin Harrison ein wenig abfärbt, aber auch, und das ist mit Sicherheit nicht die schlechteste Visitenkarte, der Style von Gavin mit in das eigene Drumming einfließt. 

Doch der junge Drummer aus Nottuln (bei Münster) bewegt sich nicht nur eindrucksvoll im Prog-Rock Metier, sondern groovt  sich auch - offen für vieles - durch andere musikalischen Genres... Sei es mit DJ´s, Big Bands oder Jazz-Cobos, einfach auch um seinen Horizont zu erweitern. 

Als Profi arbeiten? Mal sehen... er macht erstmal ´ne Ausbildung um  eine "grundsolide Basis" schaffen - tut eben auch genau das, was auch beim  beim Schlagzeugspielen zum "A" und "O" gehört! Unser "Drummer Of The Month Feature #12": David Flögel. 

Viel Spaß beim lesen! 

Name: David Flögel
Jahrgang: 1992
Lebt in: Nottuln
Aus: Nottuln
Freizeit: Schlagzeug natürlich, Aufnehmen, Bands, Freunde, Kino
Favourite Movie: “Django Unchained”
Favourite CD´s: (die „für die Insel“) In Absentia (Porcupine Tree), Fragments (Submotion Orchestra)
Erstes Drumkit: Sonor Force 2001 (in blau, immer noch vorhanden, jetzt allerdings neu furniert in Vogelaugen Ahorn)
Aktueller Hörtipp: Ed Poole - Routes
Grip: Matched/Trad. beides
Motto: „Never judge a book by it’s cover“



Wie ging´s bei Dir mit dem Schlagzeugspielen los? 
Ich habe schon mit drei Jahren auf allen möglichen Dingen herum getrommelt. Töpfe, Pfannen und deren Deckel. Nach einiger Zeit kam ich dann auf die Idee, die Töpfe mit Backpapier als „Schlagfell“ zu bespannen. Das hielt natürlich nicht so lange... :-)

Mit fünf lernte ich dann ein paar Straßen weiter jemanden kennen, der Schlagzeug spielte. Ich konnte dort ab und zu auf dem Schlagzeug spielen, und für mich war ab dem ersten mal klar, dass ich Schlagzeuger werden möchte. 

Mit sechs bekam ich dann Schlagzeugunterricht bei Friedmann Kühn an der Musikschule in Nottuln. Bis ich 18 war hatte ich dort Unterricht und zwischendurch habe ich viele Workshops und Masterclasses mitgemacht. Mit 19 hatte ich bei Wolfgang Basler dann auch „Technikunterricht“. 

Studierst Du Musik oder strebst Du ein Musikstudium an? 
Nein, ich studiere nicht. Ich hab´ überlegt, nach der Realschule zu studieren. Letztendlich habe ich mich dann aber doch für Fachabitur und eine Ausbildung entschlossen, um erst einmal etwas „grundsolides“ in der Hand zu haben.



Hast Du dennoch Ambitionen in Richtung "Profidrummer"?
Ich würde schon gerne professioneller Musiker werden.. Ob das jetzt mit einer Band ist, oder ob ich Session/Studio Drummer werde ist dabei eigentlich unwichtig. Ob ich jemals ein komplettes Musikstudium mache, kann ich noch nicht sagen. Eventuell gehe ich mal eine Zeit in die USA und mache einen Sommerkurs am M.I.T oder am Berklee in Boston. 


Was ist für Dich das besondere an den Drums?
Mich fasziniert vor allem der dynamische Umfang. Das wissen viele nicht, aber ein Schlagzeug kann sehr, sehr leise sein! Das musste ich erst lernen, aber wenn man erst einmal begriffen hat, was so an Dynamiken geht, öffnen sich einem Schlagzeuger viele Türen. Diese Erfahrung verdanke ich einer meiner Jazz-Combos, in die ich mit ca. 15 eingetreten bin. Damals hatte ich zwar Banderfahrung, aber nur aus Rock und Funk. Im Jazz musste ich erstmals lernen, schön piano zu spielen und trotzdem zu grooven... Eine wichtige Erfahrung, kann ich nur sagen. 

Neben der Dynamik fasziniert mich auch die Möglichkeit, das Feeling eines Songs grundlegend zu ändern. Erst vor ein paar Tagen hatte ich einen Studiojob. Es gab nur eine Demo-Schlagzeugspur, die meiner Meinung nach nicht so gut passte. Also spielte ich das, was ich mir im Kopf zurechtgelegt hatte und die Reaktion war: „Wow, the feeling of the song changed totally“. Meine Drumspur gab dem Song ein etwas „entspannteres“ Feeling, während die Demospur „straight forward“ war. 

Das Feeling zu beeinflussen geht natürlich auch mit Gitarre und Bass aber ich finde, bei Drums ist der Effekt am stärksten. Und da ich gerne ausprobiere und stundenlang an Grooves herumtüftele, bin ich in der Rhythmussection ganz gut aufgehoben. 


Was für Musik hat Dich über die Jahre begleitet?
Ich weiß noch, dass relativ früh mit ca. 8, Bon Jovi CD´s bei mir im Schrank standen, das war meine absolute Lieblingsband. Später ging es weiter zu Nightwish, Rage, Sentenced, Tiamiat und Type O Negative, also so die „härtere“ Schiene. 

Da ich immer alles, was ich damals gehört, auch mitgespielt habe hatte ich relativ früh Kontakt mit den verschiedensten Stilen. Beeinflusst haben mich natürlich alle Drummer, deren Bands ich mir damals angehört habe. Dazu kamen dann Drummer wie Dave Weckl, Dennis Chambers, Tony Royster Jr und Thomas Lang. Bei mir eingeschlagen hat damals Chris Brien – ein Drummer aus Sydney (jetzt lebt er in Hong Kong), der wie Thomas Lang total abgefahrene Multipedal Sachen gespielt hat. Im Gegensatz zu Thomas Lang allerdings musikalischer. 

Ich habe Chris mit 12 auf der „Night of the Drums“ in Coesfeld kennengelernt und irgendwie hat es sich ergeben, dass wir nachher regen Email Kontakt hatten. Er hat mich virtuell weitergebracht und mir seine Lehr DVD’s und Bücher geschickt, die ich immer noch im Schrank stehen habe.  Das war damals so der „Kick“, der mich richtig zum Üben angetrieben hat. 

Mit 14 lernte ich dann Porcupine Tree und deren Drummer Gavin Harrison kennen. Das war ein weiterer Knackpunkt in meinem „Schlagzeugerleben“, bei dem ich wirklich viel lernte, einfach durchs hören und Nachspielen... Heute sind noch viele Drummer dazugekommen wie Chris Coleman, Jost Nickel, Benny Greb oder Dave Langguth.

 


Was hörst Du zurzeit?


Zurzeit komme ich  gar nicht mehr so viel zum Musik hören. Wenn ich aber mal Zeit finde, höre ich mir verschiedenste Sachen an von Jazz, bis Rock. Dabei sind dann Submotion Orchestra, Coldplay, M83, Porcupine Tree, Bobby McFerrin, EST, Brad Mehldau Trio, Dellé, Michael Jackson, Osi, Oliver Schories und vieles mehr... Eine sehr bunte Mischung!

Gibt es einen Groove bzw. Grooves, die Dich „flashen“?
Auf jeden Fall! Nicht nur einen, aber mein absoluter Favorit ist der Groove von “Sound of Muzak” von Porcupine Tree. Ganz einfach, weil dieser Groove so einfach klingt und den Track an sich perfekt unterstützt. Es klingt so tierisch einfach. Versucht man allerdings, den Track nachzuspielen, stellt man ganz schnell fest, dass es verdammt schwer ist, diesen 7/4 Groove so zu spielen, dass er nach 4/4 klingt und so vor sich hinschnurrt. Alleine mit der durchgehend ¼ akzentuierten HiHat zeigen sich für Neulinge auf dem “Odd-Time” Gebiet erste Probleme auf ;-)

Was treibst Du derzeit musikalisch?
Derzeit spiele ich in der Bigband der westf. Schule für Musik in Münster, habe eine Progressive Rock / Metal Band mit Namen „The Ambrosia Project". Dann ziehe ich mit meinem Buder Felix, der Gitarre und Bass spielt eine Band auf. Wir machen Musik, die sich mit „The National“, „U2“ und „Coldplay“ vergleichen lässt. Live bin ich seit letztem Jahr mit den Miami Rockers unterwegs. Dies ist ein DJ Team aus Münster.  Das Konzept ist „DJ Team + Live Drums“ und wir haben bisher auf zwei Parties zusammen gespielt und das ist beide Male eingeschlagen "wie Bombe"! 

Beschäftigst Du dich auch mit Recording?
Ja, ich habe auch die Möglichkeit bei mir zuHause aufzunehmen. Seit April 2012 habe ich ein Projekt mit Ed Poole & Pete Wood aus England aufgezogen, auf das ich wirklich stolz bin.

Ed arbeitet auch mit Gavin Harrison, Bonnie Tyler und vielen anderen... wie kam es zu dem Projekt?
Ich lernte Ed über Facebook kennen, ...  und irgendewann hatte ich eine Nachricht im Postfach: „Maybe I could get you to play on a track sometime?”. Der erste Track kam auch ziemlich schnell, ca. 4 Stunden später, haha! Das Ergebnis war ziemlich geil und seitdem haben wir schon ca. 6 Tracks aufgenommen. Die Musikrichtung ist eher funkig, modern und oldschool.  Seit Anfang diesen Jahres habe ich mein Home Studio komplett fertig eingerichtet  und biete mich nun auch als Studio Drummer an. Die ersten Jobs habe ich schon...  


Ist Üben ein Thema ?;-)
Richtig üben tue ich seit einiger Zeit gar nicht mehr so wirklich. Wie schon erwähnt, bin ich sehr beschäftigt mit Ausbildung, Proben und Aufnahmen. Wenn ich Zeit habe, übe ich auf dem Pad oder je nach Uhrzeit auch am Set vor allem Timing Sachen, Stickings und Dynamiken. 

Was genau...?
Bei Timing mache ich es meistens so, dass ich einen langsamen Klick (40 – 80) nicht auf Viertel setze, sondern auf Halbe oder Ganze. Dann spiele ich einfache Grooves oder Rudiments. Manchmal gehe ich weiter und nehme mein Metronom und stelle ein, dass es vier Takte klickt und vier Takte pausiert. Eine Super Übung.

Ich fokussiere mich nicht auf Speed und versuche, den nächsten Weltrekord im Single Stroke Roll aufzustellen. In einer Band will das niemand hören und es interessiert auch niemanden von den Mitmusikern  – außer man spielt natürlich in einer Metalband mit schnellen Licks etc. Es nützt niemandem etwas, wenn man in einer Pop Band spielt, wo es darauf ankommt, dass die 2 + 4 immer voll da ist und man bei jedem zweiten Takt ein total wirres Fill raushaut! Songdienliches Spiel ist immer das Stichwort.... auf die anderen Musiker - vor allem auf den Bass -  hören und in die Band "einpassen". Dynamiken und Timing! – Gut ist auch ein Gefühl für  „Laid Back“ und natürlich auch „vor dem Beat“ zu entwickeln...


Nutzt Du Internetforen etc.?
Fachsimpeln steh ich gar nicht so sehr drauf. Das ist auch ein Grund, warum ich nicht so viel in Foren poste und zum 10.000 Mal auf das Thema „Wie bekomme ich einen schnellen Doublestroke hin“ antworte.. Würde man halb so viel üben, wie man in einem Forum abhängt, dann bräuchte man die Fragen nicht stellen ;-)



Wie sieht die Musikszene in Deiner Region aus?
Dazu fällt mir nur ein Wort ein: dürftig. Ich wohne ja in Nottuln – da kann man die Musikszene schon mal komplett vergessen, in Münster ist es etwas besser, aber auch nicht wirklich gut. Proberäume sind total überteuert, weil die sehr knapp sind und Musiker gibt es auch nicht wirklich viele... 



Dein bisheriges Drum-Highlight?

Auf jeden Fall, dass ich die Chance habe, mit Ed Poole und anderen großartigen Musikern zusammen zu spielen. Das hat mir den endgültigen Schubs gegeben, mein Homestudio so professionell einzurichten... und, dass Gavin Harrison mir vor einiger Zeit in Münster nach seinem Konzert mit „o5ric“ gesagt hat, er fände es gut, wie ich spiele! 








Wie siehst Du die Zukunft der Musikbranche?

Schlecht, ehrlich gesagt... Wir werden mit der Zeit von Drumcomputern ersetzt, die so gut klingen, dass sich der Aufwand und die Kosten für einen echten Drummer nicht mehr lohnen werden.. Ich hoffe es zwar nicht, aber ich habe das Gefühl, das „handgemachte“ Musik in der Zukunft keine große Rolle mehr spielen wird.



Was beschäftigt Dich außer der Musik noch?

Neben der Musik – und auch um mir das Equipment zu finanzieren – programmiere ich Websites. 
Seit ein paar Jahren habe ich mit einem Freund, der auch Schlagzeuger ist eine Internetplattform ins Leben gerufen, die dazu dienen soll, Bands, Proberäume, Termine und Equipment zu organisieren.
www.sonophile.de Derzeit sind wir in einer Testphase  – wir würden uns freuen, wenn sich einige Leser anmelden würden und uns Feedback geben und Funktionen vorschlagen 


Dein Equipment?
Ich bin Sonor Fan seit ich denken kann. Mein erstes Drumset war ein Sonor Force 2001 das ich immer noch habe und vor einiger Zeit neu furniert habe (Vogelaugenahorn).
Alle meine größten Idole spielen Sonor oder haben Sonor gespielt und ich finde einfach, die Sets klingen genial und sind super verarbeitet.

Dazu kommen Zildjian Becken aus den K-Custom Dark, Avedis und A-Custom Serien. Verschiedene Rides, eins sogar aus den 60ern, das allerdings geliehen ist...

Dein Setaufbau? 
Meinen Setaufbau beschreiben… Oha, früher sah mein Set ja aus wie das von Gavin Harrison… 
Momentan habe ich immer noch 5 Toms, 3 Racktoms die relativ flach und waagerecht über der Bassdrum hängen und 2 FloorToms.. 

Ich spiele 2 Snares und habe 2 HiHats, 4 Crashes, 1 Ride Becken und 2 chinas am Set.. Ab und zu mal ein Crash weniger, und ein paar Splashes oder so.



Was hat du Dir zuletzt für´s Set gekauft?
Gute Frage, weiß ich gar nicht mehr... Ich glaube, das war eine 13“ Zildjian A-Custom Hihat für Gigs und lautere Musik.. Eigentlich nur, damit ich irgendwie mal ein  Beckenset für Gigs habe und nicht meine Becken mitschleppen muss.



Drums:

Sonor SQ2 (Buche / Earth Finish):
20x17“ Heavy Bassdrum
Racktoms: 8x7, 10x8, 12x9 Racktoms (Thin), 
14x13 und 16x15 FloorToms (Medium)


Sonor Force 2001 (restauriert): 
20x16 BD, 8x8, 10x9, 12x10 Racktoms und
14x12 und 16x14 Floortoms
Sonor 

Swinger (restauriert): 16x16 Bassdrum,
12x9 RackTom, 13x10 „FloorTom“




Sticks: Silverfox 5b – kennt man hier nicht so sehr glaube ich. Amerikanische Marke, halten aber ewig!

Hardware: Sonor 600er Hardware, giant Step Pedale, Pearl Rack
Cymbals: Zildjian – ich liebe Zildjian – das sind für mich DIE Becken

Felle: Remo Emperor Coated oder Clear, je nach Musikrichtung, da komm ich am besten mit klar. Auf der Snare verschiede, ab und zu ein Emperor-X oder Ambassador. Auf der Bassdrum Powestroke 3
Technik: 

Links: 
Website von David
David on Facbook
David on Soundcloud
David on YouTube


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